„Die Zeit der großen Grundstücke ist vorbei“!

Dies ist der Satz, den Herr Bieberle (Fachbereichsleiter für Bau- und Stadtentwicklung) und Herr Müller (Fa. Terramag, beauftragt mit der Erschließung und Vermarktung des Neubaugebiets „Mittelbuchen Nord-West“ und neuerdings „Am Hunsrück“ in Bruchköbel/ Oberissigheim) immer wieder im Gespräch mit der Interessengemeinschaft Bauvorhaben Mittelbuchen Nord-West wiederholt haben.

Nun war am 28.09.17 im Hanauer Anzeiger zu lesen, dass in Bruchköbel-Oberissigheim „Am Hunsrück“ Bauplätze im XL- Format für zahlungskräftige Kundschaft vermarktet werden sollen. Die Rede ist von 15 Grundstücken mit 600 bis über 1000 qm Grundfläche. Dies sei notwendig, so Herr Müller von Terramag, da seit der Entwicklung des Fliegerhorsts ein großer Bedarf an Villengrundstücken für die ansässigen Führungskräfte entstanden sei.

Sogar Uwe Ringel Fraktionsvorsitzender von der Partei Bündnis 90/die Grünen äußert sich wohlwollend über diese Planung, obwohl es eine Überschneidung mit einem Landschaftsschutzgebiet am südlichen Ende des Baugebietes gibt. Laut Herrn Ringel sei eine verdichtete Bebauung und sozialer Wohnungsbau nur zentrumsnah und mit Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sinnvoll und man brauche auch Grundstücke für zahlungskräftige Kundschaft in Hanau.

Diese Argumentation seitens der Stadt, der Politik und der Planungsverantwortlichen verwundert schon sehr, denn die stark verdichtete Bebauung im geplanten Neubaugebiet am äußersten Rand von Mittelbuchen unter der Führung der Fa. Terramag mit Herrn Müller und Bien-Ries war von Anfang an der Hauptkritikpunkt der IG.
Die Frage nach einer aufgelockerten Bebauung wurde immer wieder mit dem o.g. Satz „Die Zeit der großen Grundstücke ist vorbei“ und „es muss vor allem bezahlbarer Wohnraum entstehen“ zurückgewiesen.

Immer wieder wies die IG darauf hin, dass eine wallartige Ortsrandbebauung von 123 Wohneinheiten auf 3,3 ha Fläche und der damit verbundenen Bodenversiegelung, mit immensen negativen Auswirkungen für den Ort einhergeht.

Die Lage am westlichen, äußeren Rand von Mittelbuchen lässt eine „ Siedlung in der Siedlung“ entstehen ohne Kontakt zur Infrastruktur des Ortskerns. Diese Art der Bebauung verstößt auch gegen die veröffentlichten Leitlinien des hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wonach die Bebauung am Stadtrand keinen abriegelnden Bebauungsgürtel bilden darf, sondern aufgelockert sein sollte (Frischluftschneise).

Die Stadt legt Wert darauf zu betonen, dass man hier auch barrierefreien und altersgerechten Wohnraum schaffen möchte, jedoch ohne Kontakt zum öffentlichen Nahverkehr oder gar zur Infrastruktur des Ortes (Arzt, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten, etc…) und in einer starken Hanglage wird jeder neue Haushalt auf ein Fahrzeug zurückgreifen müssen. Wir wünschten uns, Herr Ringel von den Grünen hätte seine Argumentation auch bei diesem Baugebiet eingebracht. Hauptargument der IG gegen das Baugebiet in der jetzigen Planung ist u.a. eine starke Zunahme des Verkehrs, der über bereits vorhandene Straßen durch den gesamten, schon jetzt zu Stoßzeiten stark überlasteten Ort, zu- bzw. abgeführt werden soll.

Auch die Art der Bebauung mit 9 Meter hohen Häuserzeilen im direkten Anschluss an ein bereits vorhandenes Gebiet mit eingeschossigen Flachdachbungalows verteidigte man seitens der Planungsverantwortlichen immer mit dem Argument des immensen Siedlungsdrucks der auf Hanau laste und dass man hier gezwungen sei, die wenigen im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Baugebiete möglichst effizient zu nutzen.

Seitens der Stadt hieß es immer wieder, dass man verantwortungsvoll mit den zur Verfügung stehenden Flächen umgehen müsse und man sich daher am oberen Rand des möglichen Bebauungskorridors von 90-130 Wohneinheiten bewege, um möglichst vielen Menschen ein bezahlbares Eigenheim zu schaffen, das müssten die Einwohner Mittelbuchens doch verstehen und es wurde sogar auf den Bürgerversammlungen an die Solidarität mit den neuen Nachbarn appelliert.
Besonders erschreckend hierbei ist, dass die zu bebauende Fläche in Mittelbuchen eine besonders gute Bodenqualität aufweist und sich hier neben anderen bedrohten Tierarten nachweislich eine der letzten hessischen Quellpopulationen (d.h. hier gibt es bereits Nachkommen in der Population) des stark vom Aussterben bedrohten Feldhamsters befinden.

Diese Fläche würde komplett versiegelt werden durch das Neubaugebiet und der Feldhamster müsste weichen. Die Frage, was mit dem Hamster geschehen soll, wird wohl nur auf gerichtlichem Wege zu klären sein. Auf das Argument der IG, warum man nicht auf Konversionsflächen in Hanau nachverdichtet, wie z.B. auf dem Gelände der Pioneer-Kaserne geschehen (hier wurde von ursprünglich 1500 Wohneinheiten auf 4500! nachverdichtet) wurde immer wieder vorgetragen, dass man aufgrund der hohen Nachfrage trotz Nachverdichtung alle Flächen brauche und diese maximal effizient bebauen wolle.

Und nun ist es plötzlich doch möglich in Bruchköbel für einige wenige Privilegierte Grundstücke in einer Größe zu erschließen, die laut Herrn Bieberle und Herrn Müller längst nicht mehr zeitgemäß sind und dem Argument der effizienten Nutzung von Boden komplett widersprechen? Hier wird eindeutig und im wahrsten Sinne des Wortes mit zweierlei Maß gemessen!

Wir möchten hier noch einmal darauf hinweisen, dass zu der nächsten Offenlegung im November, jeder Bürger, nicht nur Hanauer, die Möglichkeit hat, eine Einwendung gegen dieses Baugebiet bei der Stadt einzureichen. Nach der letzten Offenlegung waren über 200 Einwendungen bei der Stadt eingegangen, mit so viel Gegenwind hatte man bis dato keinesfalls gerechnet. Wir hoffen sehr, dass dieses Mal wieder viele Bürger von diesem Recht Gebrauch machen!

Rettet die Feldhamster